Jungen Journalisten sollen trotz Budget-Krise auf Kosten des Steuerzahlers mit dem Projekt “eurotours” Recherchereisen mit europapolitischem Schwerpunkt ermöglicht werden – und das geht ordentlich ins Geld, wie ÖVP-Bundeskanzler Christian Stocker nun eingestehen musste.
Teure Reisen für genehme Journalisten
FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker hatte sich mit einer parlamentarischen Anfrage beim Kanzler erkundigt, jetzt liegt die Antwort vor. Im Jahr 2025 standen für “eurotours” stolze 55.451,37 Euro zur Verfügung. Insgesamt nahmen 34 Personen teil. Die durchschnittlichen Kosten pro Teilnehmer beliefen sich auf 1.523,28 Euro. Finanziert wird das Projekt vollständig aus dem Budget des Bundeskanzleramts. Konkret heißt das: Dem Kanzleramt bequeme Nachwuchsjournalisten dürfen auf Kosten der Allgemeinheit durch die Weltgeschichte reisen.
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Weitere InformationenBis zu 57.000 Euro pro Jahr
Von den Gesamtkosten entfielen 28.751,37 Euro auf Reisekosten. Für Werknutzungsrechte wurden 23.040,00 Euro aufgewendet, was 720 Euro pro Teilnehmer entspricht. Für Leistungen der Österreichischen Medienakademie wurden 3.660,00 Euro verrechnet. In den Jahren 2015 bis 2024 lagen die jährlichen Gesamtausgaben zwischen rund 39.000 und 57.000 Euro. Nur in den Jahren 2020 bis 2022 fanden aufgrund der Pandemie keine Reisen statt.
Nicht alle dürfen teilnehmen
Teilnahmeberechtigt sind Journalisten im Alter zwischen 18 und 35 Jahren, die bei einem in Österreich erscheinenden Medium tätig sind. Die Auswahl erfolgt durch eine Jury, bestehend aus Vertretern des Bundeskanzleramts und der Projektpartner. Pro Medium können maximal zwei bis drei Personen berücksichtigt werden. Das gilt allerdings nicht für alle: Medien mit parteipolitischem Hintergrund sind nämlich von der Teilnahme ausgeschlossen.
Das Projekt steht jährlich unter einem thematischen Motto, das vom Bundeskanzleramt festgelegt wird. Die Teilnehmer reichen im Rahmen ihrer Bewerbung ein Recherchekonzept ein, die redaktionelle Umsetzung erfolgt dann laut Anfragebeantwortung eigenständig. Nach Auszahlung der Werknutzungsrechte bestehe keine weitere Zusammenarbeit mit dem Bundeskanzleramt, ließ Stocker mitteilen.
Keine externe Kontrolle, keine Ausschreibungen
Die Evaluierung des Projekts erfolgt jährlich durch interne Besprechungen der Jury. Eine externe unabhängige Evaluierung ist nicht vorgesehen. Laut Auskunft handelt es sich nicht um Fördermittel, sondern um projektbezogene Ausgaben. Eine öffentliche Ausschreibung gibt es nicht – aufgrund des des Auftragswerts ist das nicht erforderlich.
