Vom großen Wurf günstigeren Stroms ist nicht viel übriggeblieben. Denn private Energieanbieter leisten das schon längst.

17. Feber 2026 / 08:50 Uhr

Österreich-Tarif entzaubert: Verbund-Strom wird deutlich teurer als angekündigt 

Mit großem politischem und medialem Aufwand hat die Bundesregierung vor einigen Wochen den sogenannten „Österreich-Tarif“ des teilstaatlichen Verbund-Konzerns präsentiert.

Regierungsprojekt ist kein „großer Schritt“

Bundeskanzler Christian Stocker und Wirtschafts- und Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer (beide ÖVP) sprachen von einem „nächsten großen Schritt“ zu günstigeren Strompreisen, mehr Wettbewerb und einer spürbaren Entlastung der Haushalte.

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Nun zeigt sich: Der als unter 10 Cent pro Kilowattstunde beworbene Tarif ist nur durch einen befristeten Einmalrabatt erreichbar. Der reguläre Energiepreis liegt deutlich darüber.

Neue Tarife ab März

Laut Ministerium sollte der neue Tarif ab März für alle Neu- und Bestandskunden gelten und einen Energiepreis von unter 10 Cent netto pro Kilowattstunde bieten.

Zusammen mit Maßnahmen wie der „Strompreis-Runter-Garantie“, einem Sozialtarif und der Senkung der Elektrizitätsabgabe auf das EU-Minimum für Haushalte wollte die Regierung damit nach eigener Darstellung Stromkosten und Inflation dämpfen.

Einmalrabatt statt dauerhaftem Billigstrom

Doch die tatsächliche Ausgestaltung des Österreich-Tarifs hat einen Hasenfuß. Nach den nun bekannt gewordenen Detailbedingungen liegt der tatsächliche Verbund-Tarif bei 12,50 Cent netto pro Kilowattstunde.

Der vielfach versprochene Preis „unter 10 Cent“ ergibt sich lediglich aus einem befristeten Einmalrabatt von 3 Euro pro kW/h im ersten Vertragsjahr.

Staat ist teurer als privat

Ab dem zweiten Jahr fällt dieser Rabatt weg – übrig bleibt ein Energiepreis, der deutlich über günstigere Anbieter liegt.

Bereits der E-Control-Tarifkalkulator hatte gezeigt, dass andere Anbieter seit längerem Tarife unter 10 Cent pro Kilowattstunde anbieten, teilweise ohne zeitlich befristete Sonderabschläge. Trotz dieser Marktlage senkt der Verbund als mehrheitlich staatlich kontrollierter Konzern erst jetzt seine Preise in diesem Segment.

FPÖ spricht von „Mogelpackung“ und „Marketingschmäh“

Die freiheitlichen Energiesprecher Axel Kassegger und Paul Hammerl werfen der Regierung in diesem Zusammenhang gezielte Täuschung vor.

Der „Österreich-Tarif“ sei „gleich einmal um über 25 Prozent teurer als versprochen“, kritisieren sie. Verkauft worden sei ein Sensationspreis, geliefert werde ein Einmalrabatt im ersten Vertragsjahr und danach ein Standardtarif, „wie ihn ohnehin viele andere Versorger anbieten“.

Keine Transparenz

Besonders scharf fällt die Kritik an der Konstruktion über Einmalrabatte aus. Diese Form der Preisgestaltung sei bereits von der Taskforce Strom- und Gasmärkte der Bundeswettbewerbsbehörde sowie von der E-Control als intransparent kritisiert worden.

Denn oft würden damit höhere Energiepreise verschleiert, die erst ab dem zweiten Vertragsjahr voll wirksam werden.

Nibelungentreue der Stromkunden

Hinzu kommt die geringe Wechselbereitschaft der österreichischen Stromkunden: Laut Angaben der Bundesregierung haben 50 Prozent der Kunden noch nie den Anbieter gewechselt, die jährliche Wechselrate bei Strom liegt bei rund 4,5 bis 4,7 Prozent.

Viele Kunden bleiben nach einem scheinbar günstigen Einstiegsjahr beim Anbieter – und bemerken die Verteuerung oft erst mit Verzögerung. „Einmalrabatte sind keine echte Entlastung, sondern eine Mogelpackung“, so Kassegger und Hammerl.

Falsche politische Entscheidungen

Inhaltlich sehen die Freiheitlichen im Österreich-Tarif daher nur einen „begrenzten Einzelschritt ohne nachhaltige Wirkung“.

Die massiven Probleme des Energiemarkts seien durch jahrelange falsche energiepolitische Entscheidungen „hausgemacht“. Wer nun einen minimalen Preisnachlass als „großen Wurf“ verkaufe, versuche bloß von eigenen Versäumnissen abzulenken, so der Vorwurf.

Strukturreformen vs. Symbolpolitik

Während die Regierung auf Maßnahmen wie die Senkung der Elektrizitätsabgabe, die Reduktion des Ökostrombetrags, eine Netzkostenbremse und das Billig-Strom-Gesetz verweist, fordert die FPÖ tiefere Eingriffe: etwa die ersatzlose Streichung der CO₂-Steuer, eine stärkere Entlastung der Industrie von Netz- und Abgabenlasten sowie eine Reform des europäischen CO₂-Handels.

Fehlende Korrektur der hausgemachten Probleme

Aus Sicht der Opposition gefährden hohe Energiepreise Arbeitsplätze und treiben energieintensive Betriebe ins Ausland. Solange die „wahren Ursachen der Preisexplosion“ – CO₂-Steuer, „ideologische Energiepolitik“ und EU-Vorgaben – unangetastet blieben, sei der Österreich-Tarif „nichts weiter als ein Feigenblatt“, argumentieren Kassegger und Hammerl.

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