Naht das Ende für die Dreier-Koalition? Diese Frage stellen sich immer mehr Politik-Beobachter, die mit einer Rückkehr von Ex-SPÖ-Kanzler Christian Kern und Ex-ÖVP-Kanzler Sebastian Kurz rechnen. Im ORF bekamen die Zuschauer gestern, Freitag, einen Vorgeschmack darauf, was auf sie zukommen könnte.
Unter dem Titel „3 Am Runden Tisch: Was kann Macht?“ diskutierten Christian Kern und Neos-Gründer Matthias Strolz zu diesem Thema – und sie machten Aussagen, nach denen man nicht so einfach zur Tagesordnung übergehen kann.
Strolz: “Ich kann nicht lügen” – Kurz: “Macht nichts, ich kann das”
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Weitere InformationenBrisant: Lügen-Vorwürfen gegen Sebastian Kurz. Moderatorin Patricia Pawlicki erzählte – als wäre es das Normalste auf der Welt – wie Matthias Strolz im Jahr 2016 eine Plattform mit Kurz gründen wollte. Intern ausgemacht sei gewesen, nicht darüber zu reden. Strolz habe Kurz gefragt: „Was ist, wenn wir gefragt werden?“ Darauf habe Kurz gesagt: „Dann sagen wir nichts“. Strolz aber soll gemeint haben: „Ich will nicht lügen. Ich kann nicht lügen“. Kurz soll geantwortet haben: „Macht nichts, ich kann das“.
Österreicher mit strategisch notwendigem Unsinn überflutet
Matthias Strolz stimmte den Ausführungen der ORF-Moderatorin nickend zu und verschärfte diese auch noch, als er auf die Frage antwortete, ob man lügen können müsse, um an der Macht zu bleiben: Lügen solle nicht Standard-Instrument in der Politik sein, sagte Strolz und berichtete von einem Buch, das der Kommunikationschef „eines Ex-Kanzlers“ (gemeint war Kurz) schrieb – und zwar mit umfassbarem Inhalt. Strolz zitierte:
Immer dann, wenn wir in Bedrängnis kamen, dann haben wir die Öffentlichkeit mit Scheiße überflutet und wir haben das einen strategisch notwendigen Unsinn genannt.
Das sei so etwas wie die Schwester der Lüge, „und dann erzählt er das auch noch öffentlich und ist noch stolz darauf“, zeigte sich Matthias Strolz empört.
Kern: “Hätte mit höherem Maß an Skrupellosigkeit vorgehen müssen”
Bei der Frage der Moderatorin, ob er Sebastian Kurz in seiner Zeit als SPÖ-Kanzler möglicherweise falsch interpretiert habe, meinte Kern: Wahrscheinlich werde man heute mit viel größerer Konsequenz vorgehen müssen. Weil die Kräfte des politischen Zentrums hätten immer versucht, sich an die Regeln zu halten. Nachfrage von Pawlicki: „Sie hätten mit mehr Konsequenz vorgehen müssen?“ Kern antwortete:
Also mit einem wahrscheinlich höheren Maß an Skrupellosigkeit, wenn man so will.
Sollten Kern und Kurz also ein politisches Comeback feiern, könnte auf die Österreicher einiges zukommen – Mehr Skrupellosigkeit, mehr Lügen?
