Mehrere tausend Ukrainer und Sympathisanten nahmen am Sonntag in Wien an der Solidaritätskundgebung zum Unabhängigkeitstag der Ukraine teil. In den Videoaufnahmen des YouTube-Kanals Esterreicherr sind einige Männer in der ukrainischen Kosaken-Tracht zu sehen, zwei Teilnehmer wehten mit der rot-schwarzen Fahne der ukrainischen Partei Prawyj Sektor (Rechter Sektor).
Wieso sind ukrainische Männer nicht an der Front?
Einige Kommentare unter den YouTube-Aufnahmen der Kundgebung bemerkten die Anwesenheit zahlreicher ukrainisch-stämmiger Männern. Häufig wurde die Frage gestellt, ob diese nicht dringender an der Front daheim gebraucht würden als auf den Straßen Wiens. Sollte es bei besagten Männern um ukrainische Staatsangehörige im wehrtauglichen Alter handeln, stellt sich die Frage, wie es dazu kommen konnte, dass sie in Wien an einer Demo teilnehmen, wenn die Ausreise aus der Ukraine für Männer zwischen 18 und 60 Jahren seit mehr als drei Jahren legal nicht mehr möglich ist? Handelt es sich hier womöglich um Fahnenflüchtige?
Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelenskyj hat mehrmals die im Ausland befindlichen Landsleute im kriegstüchtigen Alter dazu aufgefordert, in ihre Heimat zurückzukehren, weil sie das Land an der Front brauche. Zelenskyj hat letztes Jahr sogar mit manchen osteuropäischen Staatschefs Gespräche über die mögliche Abschiebung dieser Männer in ihre Heimat geführt.
Geschichte hinter der rot-schwarzen Fahne
Die in den Aufnahmen gezeigte rot-schwarze Fahne auf der gestrigen Demo wird der erwähnten Partei Rechter Sektor zugeordnet. Diese bildet seit 2013 den Zusammenschluss mehrerer rechtsextremer und ultranationalistischer Organisationen, die sich mit dem Erbe des bekannten Nazi-Kollaborateurs Stepan Bandera identifizieren. Die Bandera unterstellten Milizen der Organisation-Ukrainischer-Nationalisten (OUN) waren im Sommer 1941 an Pogromen gegen Juden beteiligt, und im Februar 1943 verübten sie in Wolhynien (Nordwest-Ukraine) ein Massaker an der polnischen Zivilbevölkerung mit je nach Schätzung 50.000 bis 80.000 Opfern. Aufgrund dieser Geschichte sorgen Huldigungen für Bandera in der Ukraine mit Ehrengedenken und Statuen immer wieder für Spannungen mit Polen.
Rechtsextremismus für die gute Sache?
Der Rechte Sektor ist nicht die einzige Organisation in der Ukraine mit problematischen ideologischen Wurzeln. Immer wieder sind im Netz Videos von ukrainischen Soldaten zu sehen, die neonazistische Symbole tragen wie die Wolfsangel beim ehemaligen Logo des berüchtigten Asow-Regiments. Die Ukrainer malen gerne Balkenkreuze auf ihre von der EU gespendeten Kampfpanzer – in Anlehnung an die deutsche Wehrmacht, die unter identischen Abzeichen gegen die Rote Armee im Zweiten Weltkrieg gekämpft hat. Anscheinend betrachten sich einige Teile der ukrainischen Armee in der geistigen Nachfolge der Wehrmacht.
Für die Kriegstreiber in der EU scheinen diese NS-Symboliken keine Rolle zu spielen, solange es Männer gibt, die die Waffen europäischer und amerikanischer Rüstungsgiganten am Schlachtfeld verbrauchen und weiter – mitunter österreichisches – Steuergeld in deren Kassen fließt.