In einem APA-Interview hat der bisherige Botschafter Sloweniens in Wien, Aleksander Geržina, die Vorgänge am Peršmanhof im Bezirk Völkermarkt in Kärnten als „Stunde null für Kärnten“ bezeichnet. Der Kärntner FPÖ-Chef Erwin Angerer reagierte darauf sauer.
Schlimmer als der Ortstafelsturm
Wie berichtet, gab es beim antifaschistischen Sommercamp in Kärnten einen Polizeieinsatz, nachdem es zahlreiche Verwaltungs-Übertretungen gegeben hatte. Der slowenische Botschafter sagte nun, er könne immer noch nicht fassen, „dass so etwas in einer demokratischen Republik möglich ist. Hier wurde jedes Augenmaß verloren”, sagte der Diplomat. Er wies darauf hin, dass im Vorjahr dieselbe Veranstaltung an dem Ort stattgefunden habe. “Damals ist nur ein Polizist gekommen, und nach fünf Minuten war er wieder weg“. Zum Teil wäre das, was am Sonntag passiert sei, schlimmer als der Ortstafelsturm.
Gedenkstätte für ideologische Zwecke missbraucht
Geržina verschwieg geflissentlich, dass eine historische Gedenkstätte für ideologische Zwecke missbraucht wurde. Slogans wie “Heimat im Herzen – Scheiße im Hirn” oder „Braune Südprovinz“ hatten nicht die Handschrift einer harmlosen Jugendorganisation, sondern einer extremistischen Bewegung. Entsprechend auch die Reaktion von FPÖ-Chef Angerer auf die Aussagen des slowenischen Diplomaten:
Der Botschafter tut geradezu so, als hätte es sich um eine Veranstaltung der slowenischen Volksgruppe gehandelt und diese würde willkürlich verfolgt. In Wahrheit handelte es sich aber um ein Sommercamp der linksextremen und in Teilen gewaltbereiten Antifa, bei welchem die Polizei wegen mehrerer Anzeigen eingeschritten ist. Dazu ist die Polizei gesetzlich verpflichtet, das müsste ein Botschafter genauso wissen wie die Vertreter von SPÖ, Grünen und Team Kärnten.
Kärntner Slowenen bestens geförderte Minderheit
Auch auf die Aussage des slowenischen Botschafters, er bezweifle das Interesse Wiens am Bestand der Kärntner Slowenen reagierte Angerer prompt:
Die Volksgruppe der Kärntner Slowenen ist eine der am besten geförderten Minderheiten in ganz Europa. Das Minderheitenschulwesen und die slowenische Musikschule wurden auch seit der Zeit von Landeshauptmann Jörg Haider weiter ausgebaut.
Anerkennung der deutschsprachigen Volksgruppe fehlt
Während es in Österreich bereits eine umfangreiche Volksgruppen-Förderung gibt, verweigere Slowenien noch immer die Anerkennung seiner deutschsprachigen Volksgruppe und eine Verankerung in der Verfassung, kritisierte Angerer. Auch die zweisprachige Gerichtsbarkeit sei seit Jahrzehnten in Kärnten umgesetzt, mit den drei zweisprachigen Gerichtsstandorten in Bad Eisenkappel, Ferlach und Bleiburg.