Schon bald könnten junge Deutsche wieder zum Dienst an der Waffe zwangsverpflichtet werden, denn Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat für die Zukunft der Wehrpflicht inzwischen konkrete Pläne: Bald soll nicht mehr der Verteidigungsfall ausgerufen werden müssen, der akute Personalmangel kann in Krisenzeiten schon reichen. Funktionieren soll das mithilfe einer Befragung von Millionen jungen Deutschen. Insgesamt soll die Bundeswehr massiv aufgerüstet werden – wie das funktionieren soll, steht allerdings auf einem anderen Blatt.
Wehrdienst im Ernstfall wieder verpflichtend
Die 2011 ausgesetzte Wehrpflicht könnte wieder aktiviert werden, wenn ein „kurzfristiger Aufwuchs der Streitkräfte zwingend erforderlich ist, der auf freiwilliger Grundlage nicht erreichbar ist“, so Pistorius in einer Fraktionssitzung seiner Partei. In einem solchen Fall müssten Regierung und Bundestag der Rekrutierung zustimmen. Im Verteidigungsministerium gibt man sich jedoch zuversichtlich: Der freiwillige Dienst in der Truppe soll künftig so attraktiv sein, dass eine Rückkehr zur Wehrpflicht möglichst vermieden werden kann.
Fragebögen für junge Männer – Frauen können ignorieren
Der Plan: Alle jungen Männer im Alter zwischen 18 und 25 Jahren sollen künftig Post von der Bundeswehr erhalten. Ein verpflichtend auszufüllender Fragebogen soll ermitteln, ob Interesse am Dienst in der Bundeswehr besteht. Frauen erhalten den Fragebogen zwar ebenfalls, sind jedoch nicht zur Beantwortung verpflichtet und können die Sendung ignorieren.
Geeignete Kandidaten sollen im Anschluss zur Musterung eingeladen werden. Auch eine verpflichtende Bereitschaftserklärung wird im Verteidigungsministerium diskutiert. Ab 2027 soll die verpflichtende Musterung für Männer einsetzen.
Ziel: 460.000 Soldaten bis 2030
Derzeit kann die Bundeswehr jährlich etwa 15.000 Freiwillige ausbilden. Bis 2029 soll diese Zahl auf 30.000 steigen. Ab dem Jahr 2030 wird ein Gesamtumfang von 460.000 Soldaten angestrebt, davon 260.000 im aktiven Dienst.
Bis zum Ende des Jahrzehnts sollen mehr als 100.000 freiwillige Wehrdienstleistende nach dem Ende ihres Einsatzes der Reserve zur Verfügung stehen. Im Juli 2024 gab es 9.593 Freiwillig Wehrdienstleistende (FWDL) bei der Bundeswehr, darunter 1.748 Frauen. Der Freiwillige Wehrdienst (FWD) dauert in der Regel zwischen sieben und 23 Monaten.
2026 soll der „Neue Wehrdienst“ eingeführt werden. Neu daran ist, dass Wehrdienstleistende formal bereits als Zeitsoldaten gelten und einen höheren Sold erhalten. Die Dienstdauer beträgt mindestens sechs Monate und kann verlängert werden.
Zweifel an Umsetzbarkeit
Ob das Vorhaben realistisch ist, bleibt fraglich. Zum einen wurden die Strukturen der Bundeswehr in den vergangenen Jahrzehnten massiv zurückgebaut. Zum anderen mangelt es an der Verteidigungsbereitschaft innerhalb der Bevölkerung. In einer Forsa-Umfrage erklärten lediglich 17 Prozent der Befragten, „auf jeden Fall“ bereit zu sein, ihr Land mit der Waffe zu verteidigen.
Auch Österreich denkt über Änderungen nach
Unterdessen gibt es auch in Österreich Überlegungen zum Wehrdienst, der dort als „Präsenzdienst“ bezeichnet wird. 2008 wurde die Dienstzeit auf sechs Monate verkürzt. Die FPÖ fordert immer wieder, den Präsenzdienst wieder auf acht Monate zu verlängern – so wie es vor der Reform üblich war.