Die deutschsprachige Volksgruppe in Südtirol kämpft seit Jahrzehnten um die Bewahrung ihrer Rechte, den Erhalt ihrer angestammten Sprache und ihrer Kultur. Ausgerechnet das österreichische Staatsunternehmen ÖBB fällt unseren Tiroler Landsleuten dabei in den Rücken.
Südtirol ist nicht Italien
68,61 Prozent der Südtiroler bekannten sich 2024 zur deutschen Sprachgruppe, nur 26,98 Prozent zur italienischen und 4,41 Prozent zur ladinischen Sprachgruppe. Das hindert die Österreichischen Bundesbahnen allerdings nicht daran, auf Südtiroler Boden italienisierte Ortsbezeichnungen den historisch deutschen Ortsnamen voranzustellen. In Welschtirol werde etwa „Trento“ durchgesagt, während der ebenfalls historisch belegte deutsche Name „Trient“ gar nicht erwähnt werde, schreibt das Medium unser tirol in einem Artikel. Und wenn man nach Sterzing will, kommt man laut ÖBB-Durchsage in „Vipiteno“ an.
Ortsnamen mit faschistischer Historie
Auf scharfe Kritik stoßen die Misstöne der ÖBB beim Südtiroler Heimatbund. Obmann Roland Lang spricht von einem „Affront“ gegenüber der deutschsprachigen Bevölkerung und einem historischen Unrecht, das bis heute fortwirke, zitiert unser tirol den Funktionär. Als österreichisches Staatsunternehmen trügen die ÖBB eine besondere Verantwortung gegenüber der kulturellen Identität Südtirols.
Umso mehr, als viele italienische Ortsnamen – wie eben „Vipiteno“ – im Zuge der faschistischen Italienisierungs-Politik unter dem „Totengräber Südtirols,“ Ettore Tolomei, eingeführt worden war. „Solche Namen wurden nicht organisch entwickelt, sondern sind das Ergebnis einer gezielten Unterdrückungspolitik“, klärt Lang über den geschichtlich verwerflichen Hintergrund so mancher Ortsnamen auf, die die ÖBB jenen der alten, deutschen Bezeichnungen zu bevorzugen scheinen.
Deutsche Sprache in deutschen Gebieten
Der Heimatbund fordert von den ÖBB daher eine umfassende Überprüfung aller Zugdurchsagen, Fahrpläne und Anzeigetafeln auf sprachliche Ausgewogenheit. In deutschsprachigen Gebieten solle künftig der deutsche Ortsname zuerst genannt werden, so Lang. Nicht zuletzt aus Respekt gegenüber der mehrheitlich deutschsprachigen Bevölkerung.