Der Soziologe Bernhard Heinzlmaier brach gestern, Mittwoch, den Besucher-Rekord beim „Politischen Stammtisch“ in Wien-Simmering. Was er zu erzählen hatte, wurde mit frenetischem Applaus belohnt.
Nach 42 Jahren aus SPÖ ausgetreten
Heinzlmaier nannte den Grund, warum er nach 42 Jahren aus der SPÖ ausgetreten war. Er habe zwar schon zuvor „heimlich“ FPÖ gewählt, aber als die Sozialdemokraten bei der „Wokeness“ mitgemacht hätten, sei für ihn der Entschluss festgestanden, die Partei zu verlassen. Für ihn gebe es zwei biologische Geschlechter und nicht 72 (!). Die SPÖ habe so getan, als wäre die Gleichberechtigung der Geschlechter ein großes politisches Thema. Aus seiner Arbeit wisse er, dass man für Studien, bei denen neuerdings neben männlich und weiblich auch die Bezeichnung „divers“ angeführt werden müsse, kaum Menschen findet, die bereit wären, sich als “divers” zu bekennen.
Wähler ins rechte Eck gestellt
Dass die FPÖ in Österreich und die AfD in Deutschland medial so bekämpft würden, diene lediglich dem Machterhalt der System-Parteien. Ihm könne keiner erklären, warum 500.000 Menschen, die bei der letzten Nationalratswahl von der ÖVP zur FPÖ gewechselt sind, plötzlich in ein Eck gestellt und als Wahnsinnige hingestellt werden. Ebenso mehr als 100.000 von der SPÖ und mehr als 10.000 von den Grünen und Neos, die ebenfalls FPÖ-Chef Herbert Kickl ihre Stimme gegeben hatten. So lange sie die „richtige“ Partei wählen, seien sie gut, sobald sie blau wählen, seien sie böse.
Anzeigen von sechs Staatsanwaltschaften
Er, Heinzlmaier, wäre selbst einer medialen Hetze ausgesetzt gewesen, weil auf seinem T-Shirt der Name einer Musikgruppe in Runenschrift zu lesen war. In allen Tageszeitungen Österreichs habe er sich daraufhin auf der Titelseite gefunden, von sechs (!) Staatsanwaltschaften hagelte es Anzeigen. Man habe ihn hingestellt, als wäre er ein Nazi. Am Ende seien alle Verfahren eingestellt worden, in den Medien hätten sich aber nur kleine Meldungen darüber gefunden. Mit dieser Punzierung müsse er seither leben, „ich kann ja nicht die Simmeringer Hauptstraße entlang gehen und jeden ansprechen und sagen, dass ich mit der Zeit des Nationalsozialismus nichts zu tun habe“.
Polit-Justiz gegen Le Pen
Heinzlmaier nahm aufgrund einer Publikumsfrage auch zur Polit-Justiz gegen Marine Le Pen in Frankreich Stellung. Er zitierte einen grünen Politiker aus Rheinland-Pfalz in Deutschland, der ausgesagt habe, dass er selbst als Mitarbeiter eines EU-Abgeordneten für die Arbeit im Wahlkreis eingesetzt worden ist. Das sei völlig normal. Genau das habe Le Pen auch getan. Dem grünen Abgeordneten sei nichts passiert, Le Pen aber fasste eine Gefängnisstrafe, 100.000 Euro Bußgeld und den Verlust ihres passiven Wahlrechts aus.