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Lehrer mit Tafel und islamischer Aufschrift

Zwei türkische Listen schmücken die AK-Wahl in Wien. Eine davon wird vom Ex-Chef einer Imam-Hatip-Schule angeführt.

3. April 2024 / 14:55 Uhr

„Löchriges“ Wahlgeheimnis und Ex-Chef einer Imam-Schule auf Liste sechs

Ein „löchriges“ Wahlgeheimnis und zwei türkische Listen begleiten die Arbeiterkammer-Wahl vom 10. bis 23. April in Wien.

Kuvert verrät Unternehmen

Ungewöhnlich ist jedenfalls, dass die Wahlkarte nicht anonym zurückgeschickt werden kann, sondern aufgrund des Kuverts ersichtlich ist, von welchem Betrieb die Stimme kommt. Einzige Möglichkeit, diesem „löchrigen“ Wahlgeheimnis zu entgehen, wäre, die Stimme persönlich in einem der öffentlichen Wahllokale abzugeben. Dazu brauchen Sie einen amtlichen Lichtbildausweis, die Mitnahme der Wahlkarte ist nicht erforderlich.

Ex-Chef der Imam-Hatip-Schule

Noch spannender als die Wahlkarten-Problematik ist, dass zwei türkische Listen bei der Wiener AK-Wahl antreten. Auf Platz sechs die „HAK IS – Liste Perspektive LP – Fatih Vural“ und auf Platz zehn die „Liste Malek Köse TÜRK-IS“.

Schaut man sich nämlich die Liste von Fatih Vural auf Platz sechs genauer an, verbirgt sich dahinter der Chef des Vereins, der die Islam-Schule in Wien-Liesing betrieben hatte. Laut Kurier hatte das Projekt 2014 für medialen Wirbel gesorgt. Denn es soll sich dabei um eine sogenannte „Imam-Hatip-Schule“ gehandelt haben – „Imam“ bedeutet Vorbeter, „Hatip“ Prediger.

Erdoğan ist Absolvent einer Imam-Hatip-Schule

Nach Kurier-Informationen wurde im türkischen Bildungsministerium schon 2013 unter dem damaligen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan beschlossen, dass im Ausland türkische Imam-Hatip-Schulen gegründet werden sollen. Erdoğan selbst ist Absolvent solch einer staatlich-religiösen Imam-Hatip-Schule. In einem ersten Schritt suchte die Regierung nach geeigneten Gebäuden in Straßburg (Frankreich), New Jersey (USA) und Wien. So steht es in einem öffentlich abrufbaren Bericht des Bildungsministeriums in Ankara.

Kolonialprogramm der türkischen Regierung

Ednan Aslan, Leiter des Instituts für islamisch-theologische Studien der Uni Wien, erklärte damals dem Kurier:

Dabei geht es um den Versuch der türkischen Regierung, mit allen Mitteln die Selbstständigkeit der türkischen Muslime zu verhindern. Es geht um ein langfristiges Projekt, ein Kolonialprogramm der türkischen Regierung.

Offensichtlich wurde die Schule nach einer Anzeige der Bildungsdirektion geschlossen.

Stadtschulrat erteilte grünes Licht

Der ORF berichtete 2018, dass auf dem Standort der geschlossenen Imam-Hatip-Schule in Wien-Liesing wieder moslemische Seelsorger ausgebildet werden. Der damalige Stadtschulrat, heute Bildungsdirektion, soll dem neuen Lehrgang grünes Licht erteilt haben.

Eine Nachfrage bei der Wiener Bildungsdirektion heute, Mittwoch, ergab, dass es diese Schule in Liesing nicht mehr gibt. Die Pressesprecherin teilte unzensuriert mit, dass in den letzten Jahren in der Bildungsdirektion Wien „keine Errichtungsanzeige einer Privatschule diesbezüglich eingegangen“ sei.

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