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Zahlreiche Medien berichten über den aktuellen Stand des Heumarkt-Hochhauses in Wien, etwa die Bezirkszeitung. Doch die kritische Auseinandersetzung mit dem umstrittenen Projekt fehlt.

25. März 2024 / 13:48 Uhr

Heumarkt-Hochhaus: Medien übernehmen ungeprüft Bauwerber-Phantasie-Darstellung

Mitte März war eine Delegation der UNESCO in Wien (unzensuriert berichtete). Sie wollte sich vorbereiten auf die Entscheidung im Sommer, wenn das Welterbe-Komitee über den weiteren Status der Wiener Innenstadt entscheidet.

Vertrag mit dem Staat Österreich

Denn seit 2017 steht Wien auf der „Roten Liste“ für gefährdetes Welterbe, weil die damalige rot-grüne Stadtregierung ein Bauprojekt unmittelbar an der Innenstadt genehmigt hatte, das mit den vertraglichen Verpflichtungen gegenüber der UNESCO nicht vereinbar sei.

Ursprünglich war ein 73 Meter hoher Turm vorgesehen gewesen, gegen den die UNESCO und vor allem auch die Wiener vehement protestiert haben. Daraufhin änderte die rote-grüne Stadtführung die Pläne; aus dem Turm wurde eine 56,5 Meter hohe „Wohnscheibe“, und daneben sollte ein Hotel-Neubau mit 47,85 Meter Höhe entstehen.

Breite Anhörung der Bürgerinitiativen

Als die UNESCO-Delegation nun für einen Lokalaugenschein in Wien war, hörte sie sich nicht nur die Argumente von Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) für das Projekt, sondern auch die Stimmen der Bürger dagegen an. Mitte Mai wollen die Fachleute einen Empfehlungsbericht verfassen, auf Basis dessen dann im Juli eine Entscheidung über den künftigen Welterbe-Status von Wien getroffen werden soll.

Bild vom Bauwerber

Bei der Berichterstattung über den Besuch der UNESCO-Delegation griffen zahlreiche Mainstream-Medien auf ein Bild des Investors und Bauherrn des Projektes zurück – ohne kritische Auseinandersetzung damit.

Denn das Bild ist eine reine Fotomontage. Die Bäume auf der rechten Seite des Bildes sind illusorisch, weil an dieser Stelle die U-Bahn-Überwölbung keine tiefen Baumwurzeln zulässt. Die Erdschicht ist an dieser Stelle zu dünn.

Unmögliches Werbe-Versprechen

Die Bäume auf der linken Seiten sind nicht vorhanden, weil infolge des verbreiterten Hotels die Fahrbahnen verlegt werden müssen und dadurch diese Grünfläche samt Baumbestand verschwinden wird, was auch durch das Gutachten von Rosinak & Partner (“Projekt B1 Lothringerstraße”) bestätigt wird. Demnach ist im Bereich von 0 bis 35 Meter Entfernung vom Konzerthaus-Eislaufverein keine Baumbepflanzung möglich, weil sich darunter der Wienfluss, die Stützmauern für die Wienflussabdeckung und die Trasse der U4 befinden. Auch ist die Darstellung der Lothringerstraße falsch.

Das Bild soll die Bevölkerung zur Zustimmung motivieren. So viel Grün und so „schön“ soll das Tor zur Wiener Innenstadt werden, lautet das Werbe-Versprechen. Doch es ist nur ein grüner Anstrich einer geplanten Betonlandschaft.

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