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Viola Heutger und City Hall auf Aruba

Viola Heutger, frühere Rektorin an der Universität auf Aruba (im Bild das Rathaus der niederländischen Karibik-Insel), soll Rektorin der Uni Salzburg werden.

22. Dezember 2023 / 14:25 Uhr

Streit um Rektoren-Posten an Uni Salzburg: Nur noch Professorin einer Karibik-Insel im Rennen

Für die Besetzung des Rektoren-Postens an der Universität Salzburg gibt es – obwohl im Gesetz geregelt – keinen Dreier-Vorschlag des Senats, sondern aktuell nur eine Kandidatin, die zuletzt die Universität des karibischen Inselstaates Aruba geleitet hat.

Bisherigen Rektor abserviert

Wie es dazu kommen konnte, ist bemerkenswert. Die ungewöhnliche Situation entstand, als der 26 Mitglieder umfassende Senat sich weigerte, den bisherigen Rektor der Universität Salzburg, Hendrik Lehnert, dessen Amtszeit mit 1. Oktober 2023 endete, neuerlich auf die Vorschlagsliste für den Rektoren-Posten zu setzen. Aus Uni-Kreisen war zuletzt immer wieder zu hören, dass sich an Lehnert die Geister geschieden hätten. Immer wieder war auch von Gräben zwischen einzelnen Fakultäten oder Gruppen an der Uni die Rede.

Aus Dreier- wurde Zweier-Vorschlag

Der Senat entschied sich gegen Lehnert und für zwei andere Bewerber, die sich als geeignet erwiesen hätten, die Uni Salzburg zu führen. Und zwar für den Senatsvorsitzenden der Universität Klagenfurt, Martin Hitz, und für die Rektorin der Universität auf Aruba, Viola Heutger.

Uni-Senat siegte vor Gericht gegen Ministerium

Das passte dem ÖVP-Bildungsministerium gar nicht. In einem Bescheid wurde der Senat aufgefordert, den Universitätsräten einen Dreier-Vorschlag mit Lehnert, der in ÖVP-Kreisen verortet sein soll, für die Rektoren-Wahl vorzuschlagen. Laut dem Senatsvorsitzenden Wolfgang Faber wollte man sich diesem Bescheid nicht beugen, bekämpfte ihn beim Bundesverwaltungsgericht (BVwG) und bekam recht. Gegenüber unzensuriert sagte Faber, dass das Urteil des BVwG in den nächsten Tagen öffentlich gemacht werde und man dann die Begründung dafür nachlesen könne.

Stillschweigen bei Universitätsräten

Der Senat hatte in seinem Vorschlag Heutger auf Platz eins und Hitz auf Platz zwei gereiht. Allerdings machte Hitz einen Rückzieher, sodass die Rektorin aus Aruba nun die einzige Kandidatin ist, die der Senat vor einer Woche den Universitätsräten übermittelte. Dieser muss jetzt ja oder nein zur Bestellung sagen. Auf Nachfrage von unzensuriert beim ÖVP-nahen Universitätsrat Johannes Hörl, Vorstand der Großglockner Hochalpenstraße, sagte dieser, dass die Universitätsräte stillschweigend vereinbart hätten. Hörl war nicht einmal zu entlocken, wann die Uniräte zusammenkommen, um eine Entscheidung zu treffen.

Rechtsbeugung bei Rektoren-Wahl?

Dass sich der Senat nicht an die Gesetzes-Vorgabe gehalten hat, nämlich einen Dreier-Vorschlag zu machen, kritisierte der als „Plagiatsjäger“ bekannte Stefan Weber. Auf seinem Blog fragte er: „Tolerierte Rechtsbeugung bei der Rektorswahl?

Weber habe ein sehr „wörtliches Verständnis des Gesetzes“, entgegnete Senatsvorsitzender Faber auf die Vorhalte. Faber verwies auf Paragraph 25, Artikel 1, Ziffer 5 A des Universitätsgesetzes, wo dieser Dreier-Vorschlag verankert ist, doch – so Faber – habe der Gesetzgeber nicht bedacht, was geschehen solle, wenn sich weniger als drei geeignete Personen für diesen Job bewerben. Schließlich müssten die Bewerber die Auswahlkriterien erfüllen, andere dürfe der Senat gar nicht vorschlagen. Aus dem eigenen Haus habe sich keiner beworben.

Diskussion um Heutgers akademischen Hintergrund

Kritik übte „Plagiatsjäger“ Weber auf seinem Blog auch daran, dass Bewerberin Viola Heutger ihren Vierjahres-Vertrag auf Aruba schon nach zwei Jahren einvernehmlich aufgelöst hat. Zudem zitierte er aus einer niederländischen Zeitung, dass „schon seit einiger Zeit Gerüchte über Probleme mit Heutgers akademischem Hintergrund kursieren“.

Dem entgegnete Faber, dass Heutger auf Aruba die ausgemachten Reformen bereits umgesetzt habe und sie es daher für vertretbar gefunden habe, den Vertrag zu diesem Zeitpunkt aufzulösen. Außerdem sei sie mit einem Universitäts-Professor in den Niederlanden verheiratet, von dem sie nicht mehr so weit entfernt sein wollte. Was den akademischen Hintergrund betreffe, könne er – Faber – keine Probleme feststellen.

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