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Axel Kassegger FBI

Nationalratsabgeordneter Axel Kassegger ist Präsident des Freiheitlichen Bildungsinstituts. Im unzensuriert-Gespräch gibt er Einblicke, wie der politische Nachwuchs geschult wird.

11. November 2023 / 14:19 Uhr

FBI-Chef Kassegger will bei „politischen Lehrlingen“ Meinungsfreiheit manifestieren

Nationalratsabgeordneter Axel Kassegger hat im November 2021 das Freiheitliche Bildungsinstitut (FBI) von Herbert Kickl als Präsident übernommen. Unzensuriert sprach mit ihm über die Aufgabe der „Partei-Akademie“, die immer enger werdenden Meinungskorridore und wie er junge Menschen auf politische Funktionen vorbereiten möchte.

“Wir machen keine Trivial-Literatur”

Unzensuriert: Herbert Kickl bezeichnete Sie als „perfekte Wahl“ für das Präsidentenamt beim FBI. Konnten Sie diesen Vorschuss-Lorbeeren entsprechen und welche Schwerpunkte haben Sie gesetzt?

Kassegger: Es ist immer schwierig, seine eigene Arbeit zu beurteilen. Wir haben, seit ich Präsident bin, das Rad nicht neu erfunden oder das Licht neu entdeckt, sondern Gutes und Bestehendes weiterentwickelt, verbessert. Mit der neu gegründeten Meta-Akademie verfügen wir neben der Jungen-, Medien-, Frauen- und Europa-Akademie mittlerweile über fünf Akademien. Wir legen besonderen Fokus auf die Ausbildung der Jugend, das war dem Herbert Kickl sehr wichtig.

Unzensuriert: Sie sind selbst Akademiker. Ihre Titel Hon. Prof. MMMag. und Dr. sind beeindruckend. Ist das FBI vor allem ein Bund für Akademiker oder ist das FBI breiter aufgestellt?

Kassegger: Das Bildungsinstitut ist keinesfalls ein Bund für Akademiker, sondern viel breiter aufgestellt. Das entspricht auch dem gesetzlichen Auftrag. In Wirklichkeit ist es ein Institut, das mehr oder weniger Staatsbürgerkunde betreibt und vermitteln soll. Allerdings decken wir auch akademische Komponente durch jede Menge Publikationen ab, die selbstverständlich einen akademischen Qualitätsanspruch genügen müssen. Da machen wir keine Trivial-Literatur.

“Es kommt zu einer Verengung der Meinungskorridore”

Unzensuriert: Das FBI sieht die Meinungsfreiheit als Grundlage ihrer Bildungsarbeit. Sie scheint heute wichtiger denn je

Kassegger: Korrekt. Warum ist sie wichtiger denn je? Weil wir schon auch feststellen, dass es zu einer Verengung der Meinungskorridore insoweit kommt, zu Dingen, die gesagt werden dürfen und Dingen, die nicht gesagt werden dürfen. Das entspricht in Wirklichkeit nicht einer freiheitlich aufgeklärten Gesellschaft. Es sollte grundsätzlich jeder seine Meinung sagen dürfen, auch wenn sie einem nicht gefällt, ohne dass jemand mit Repressalien rechnen muss. Heute ist man gleich im Bereich der Schwurbler, der Verschwörungstheoretiker, der Putin-Versteher, wenn du eine Meinung vertrittst, die dem Mainstream oder der herrschenden Klasse – oder wie immer man das bezeichnen möchte – nicht gefällt.

Unzensuriert: Dass die Meinungsfreiheit in Gefahr ist, sieht man daran, dass der Publizist und Verleger Götz Kubitschek anscheinend auf Zuruf der Grünen keinen Vortrag auf der Uni Wien halten darf.

Kassegger: Ja genau, das ist ein Beispiel für so etwas. Was hat dieser Mann verbrochen, ist er verurteilt worden? Nein, der wird ausgeladen, weil er Meinungen vertritt, die nicht deren Meinungen entsprechen. Das ist beschämend und eine ganz schwache Leistung von denen, die ihn ausgeladen haben.

Unzensuriert: Das FBI bietet Götz Kubitschek nun mit einer eigenen Veranstaltung eine Bühne. Er wird auf Wikipedia als Rechtsextremist tituliert. Wie beurteilen Sie das?

Kassegger: Gegenfrage: Welche Leute haben ihn mit dieser Bezeichnung versehen und wie ist deren ideologisches Koordinaten-System? Oder anders gesagt, wenn ein Linker jemanden als Rechtsextremen bezeichnet, ist das ja nur eine subjektive Feststellung eines Linken. Es ist ja höchstgradig anzunehmen, dass dieser Redakteur bei Wikipedia ein Linker ist. Mit dieser Brandmarkung wird eine soziale Richtung verknüpft – und da sind wir dann wieder in einem Bereich, in dem man einen Menschen in eine Schublade steckt. Das hat dann nichts mit einer weltoffenen, freiheitlichen Einstellung zu tun. Dazu gibt es ein berühmtes Zitat des französischen Philosophen und Schriftstellers Voltaire, der sagte:

Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen.

“Die Vermittlung von Kompetenzen ist zentrale Aufgabe der Partei-Akademie”

Unzensuriert: Sieht man auf die Homepage des FBI, sind die Themen der Bildungsarbeit breit gefächert. Da gib es Vorträge über Wölfe, Blackout oder Wehrpolitik. Richten sich die Themen nach aktuellen Ereignissen?

Kassegger: Nicht ausschließlich, aber selbstverständlich auch. Wir haben das Gesamtpaket, wo vieles auch über die Akademien abgedeckt ist. Aber wir gehen auch auf aktuelle Themen-Bereiche, die Anlass für Diskurs – im Sinne von unterschiedlichen Meinungen – bieten, und die Menschen beschäftigen, auf einer qualitativ hochwertigen Ebene ein.

Unzensuriert: Wie sehen Sie die Rolle der Partei-Akademien im allgemeinen, welche Bedeutung haben sie in der politischen Landschaft?

Kassegger: Die Parteien machen eine politische Arbeit im Sinne der Ausbildung der eigenen Leute – in Fähigkeiten und Fertigkeiten. Zentrale Aufgabe von Partei-Akademien ist es, die Menschen besser zu machen. Viele von ihnen bekleiden später politische Mandate – und ich finde, es ist unsere Verantwortung, dass die Menschen, die später politische Funktionen ausüben, ihre Leistung so gut wie möglich erbringen müssen. Die Leistung besteht ja aus zwei Komponenten: aus der Leistungsbereitschaft und aus der Leistungsfähigkeit. Und die Leistungsfähigkeit ist determiniert durch Kompetenzen. Die Vermittlung von Kompetenzen ist eine zentrale Aufgabe des Bildungsinstituts, insoweit macht sie unsere Leute besser im Sinne von einer Steigerung der Kompetenzen. Das ist für mich die wichtigste Aufgabe neben der Vermittlung der Staatsbürgerkunde. Das Bildungsinstitut ist auch die historische Bibliothek der Partei.

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