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Kühe

Geht es nach Investoren wie Bill Gates, sollen bald nicht mehr Kühe für das Rindfleisch sorgen.

21. August 2023 / 10:23 Uhr

Ohne Tiere, aber mit viel High-Tech: Fleisch aus dem Labor – doch ein Staat sagt jetzt nein

Es passt in unsere Zeit. Den Menschen wird eingeredet, dass es ökologisch oder ethisch nicht mehr vertretbar sei, Tiere zu essen.

Profitträchtige Idee

Aber weil die Menschen ihr Schnitzel nicht missen wollen, arbeitet eine ganze Industrie an Alternativen zu Huhn, Schwein und Rind – und macht viel Profit damit. Denn all diese Produkte sind viel, viel teurer als herkömmlich erzeugte Lebensmittel.

Investoren und die Nahrungsmittelindustrie wittern einen Zukunftsmarkt. Schon vor zehn Jahren investierten sie laut der Cleantech Group Beteiligungsgesellschaften binnen drei Monaten 240.000 Euro in Start-ups im Bereich Nahrungsmittel- und Landwirtschaft.

Software-Unternehmer als Nahrungsmittelgeschäftsleute

Damals wurde an der Universität Maastricht der erste synthetische Burger vorgestellt. Wissenschaftler hatten Stammzellen aus dem Muskelgewebe von Kühen gewonnen und daraus Muskelzellen entwickelt. Der Burger, dessen Entwicklung der Google-Gründer Serbey Brin mitfinanziert hatte, kostete damals 325.000 Dollar. Doch die Forscher waren sicher, dass ihr Produkt in zehn bis 20 Jahren marktreif sein werde. Voilà.

Politische Forderungen eines Milliardärs und Privatmanns

Auch ein zweiter Software-Entwickler ist vor längerer Zeit in das große Geschäft eingestiegen. Bill Gates, der schon mit Microsoft den richtigen Riecher hatte, erklärte 2021, dass „reiche Länder sich zu 100 Prozent von synthetischem Fleisch ernähren sollten“.

Gates kündigte laut Handelsblatt vor zwei Jahren an, weitere (!) zwei Milliarden Dollar in entsprechende Start-ups und andere Projekte investieren zu wollen. Investiert hat er bereits in Firmen wie Beyond Meat, Carbon Engineering, Impossible Foods, Memphis Meats und Pivot Bio. Gleichzeitig forderte der Milliardär mehr staatliche Forschungsförderung dafür.

Umweg über Weltgesundheitsorganisation

Und er geht wieder den Weg über die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Der Südwestrundfunk (SWR), ein staatliches Medienunternehmen, kommentierte vor drei Jahren:

Reiche Privatspender manipulieren die Politik der WHO.

Und weiter schreibt der SWR, dass die mittlerweile zu 80 Prozent von privaten Geldgebern und Stiftungen finanziert werde. Größter privater Geldgeber ist die Bill und Melinda Gates Stiftung. Seit der Jahrtausendwende hat die Gates-Stiftung der WHO insgesamt 2,5 Milliarden Dollar gespendet.

Gefälligkeitsbericht?

Wie passend, dass die WHO vor wenigen Jahren rotes Fleisch als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft hat. 2023 haben die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihren ersten globalen Bericht zum künstlichen Fleisch vorgelegt. Darin wird zwar über die Risiken bei der Produktion geschrieben, aber letztlich das hohe Potenzial gelobt. Außerdem sollte der 146-seitige Bericht als wissenschaftliche Grundlage für regulatorische Rahmenbedingungen zur Herstellung von künstlichem Fleisch dienen.

Laut dem FAO/WHO-Bericht würden aktuell weltweit mehr als 100 Firmen an solchen Lebensmitteln arbeiten und warten nur noch auf eine Zulassung.

Italien sagt nein

Doch ein Land hat einer solchen, von privaten Geschäftsleuten gewünschten Zulassung nun einen Riegel vorgeschoben: das rechts regierte Italien. Der Senat in Rom sprach sich mit großer Mehrheit für einen Gesetzentwurf zum Verbot künstlicher Lebensmittel aus. Denn diese gefälschten Lebensmittel seien eher pharmazeutische Produkte und sollten als solche behandelt werden. Die Italiener kennen sich mit gutem Essen eben aus.

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