Demokratisch, kritisch, polemisch und selbstverständlich parteilich

OpenAI hat mit ChatGPT für Furore gesorgt und gleichzeitig auch Kritiker auf den Plan gerufen.

28. Juni 2023 / 10:47 Uhr

Chancen und Risiken von KI: Wie kann eine sinnvolle Regulierung gelingen?

Staatliche Regulierungen sind in vielen Branchen ein wichtiges Thema, davon können die Österreicher ein Lied singen. Als eines der umsatzstärksten Länder im Bereich Glücksspiel dauerte es lange, bis das Casino Österreich auch in seiner digitalen Variante für die Nutzer legalisiert wurde. Schon damals war klar, dass ein Maß zwischen Regulierung und Möglichkeiten gefunden werden musste.

Eine ähnliche Herausforderung ergibt sich jetzt für die EU, beim Umgang mit künstlicher Intelligenz. OpenAI hat mit ChatGPT für Furore gesorgt und gleichzeitig auch Kritiker auf den Plan gerufen. Obwohl KI Chancen bietet, sind auch die Risiken nicht außer Acht zu lassen. Aber wie gelingt es, eine maßvolle Regulierung zu etablieren, ohne dabei die Chancen zu verpassen?

Bedrohungsszenarien durch KI: Warum die EU Angst vor der neuen Macht hat

Spätestens seit ChatGPT hat das Thema KI auch den Mainstream erreicht. Schlagzeilen wie die Zerstörung der Menschheit durch künstliche Intelligenz sorgen für Diskussionen und lösen (verständlicherweise) Ängste aus. Auf der anderen Seite stehen die vielfältigen Chancen, die selbstlernende Maschinen mit sich bringen. Warum also die Bedrohungsszenarien und welche davon sind überhaupt realistisch?

Es gibt viele Bereiche, in denen KI zur unkontrollierten Gefahr werden könnte. Werfen wir einen Blick aufs Militär und die Möglichkeiten, immer gefährlichere Waffen zu generieren. Schon heute sind sich Menschen auf aller Welt der Bedrohung durch Atomwaffen bewusst. KI-Systeme könnten in der Lage sein, noch gefährlichere Waffenarten zu entwickeln, die bei Nutzung tatsächlich das „Aus“ für weite Teile der Menschheit bedeuten könnten.

Solche Techniken könnten dazu führen, dass die Länder aufrüsten und die gegenseitige Bedrohung auf ein ganz neues Level gehoben wird. Ein weiteres Problem sind falsche Informationen, die durch KI in Windeseile erstellt und verbreitet werden können. Am Beispiel von ChatGPT zeigt sich, dass künstliche Intelligenz keineswegs unfehlbar ist.

Der Chatbot liefert innerhalb von Sekunden Antworten auf Fragen, die jedoch nicht immer korrekt sind. Geraten solche Informationen ungefiltert ins Internet, droht eine Fehlinformationskampagne, die nur sehr schwer aufzuhalten ist. Selbst der gezielte Einsatz von Fehlinformationen könnte als Waffe zum Einsatz kommen. Desinformationen sind vor allem mit politisch motiviertem Hintergrund ein ernst zu nehmendes Problem.

Die Abhängigkeit von der KI – warum Europa diese Gefahr umschiffen muss

Der Arbeitsplatzverlust gehört neben der demokratischen Bedrohung zu den größten Ängsten der Menschen vor KI. Allerdings sind auch Themen wie Abhängigkeit nicht außer Acht zu lassen. Je mehr Aufgaben an künstliche Intelligenzen ausgelagert werden, desto mehr ist der Mensch von der Funktionalität von Systemen abhängig.

OpenAI hat als Unternehmen mit ChatGPT innerhalb kürzester Zeit Millionen Menschen für sich gewonnen. Allerdings handelt es sich um ein privatwirtschaftliches Unternehmen, das auf diese Weise gigantischen Einfluss gewinnen könnte. Im Sinne einer Demokratie ist es nie empfehlenswert, zu stark auf ein einziges Unternehmen zu setzen und ihm zu vertrauen. Denn letztlich kann OpenAI diese Macht auch negativ nutzen und damit für Probleme sorgen.

Für Europa gilt es bei den geplanten Regulierungen also, die KI als Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts nicht vollkommen zu verbannen, aber maßgeblich zur Sicherheit beizutragen. Würde die EU einzig auf Verbote setzen, verschafft sie anderen Ländern damit einen zu starken Wettbewerbsvorteil. Aber was ist überhaupt in Sachen Regulierung geplant?

KI-Gesetze in der EU – so will Europa die Gefahr umschiffen 

KI in Gänze zu verbieten, käme einem wirtschaftlichen Desaster gleich. Die neuartigen Systeme schaffen Möglichkeiten, die auch das Berufsleben drastisch verändern können. Das erklärte Ziel der EU ist daher, nachvollziehbare, umweltfreundliche, transparente und sichere KI-Systeme zu schaffen, die grundsätzlich vom Menschen selbst überwacht werden. Sobald eine KI als Bedrohung für den Menschen selbst gesehen werden kann, wird sie verboten.

Hierzu gibt es einige klare Ansätze seitens des Parlaments:

  • Social-Scoring: KI-Systeme, die Menschen aufgrund ihrer persönlichen Merkmale, des Verhaltens und dem sozioökonomischen Status klassifizieren, werden verboten.
  • Manipulative KI: Spielzeuge mit Sprachsteuerung oder KIs, die zur kognitiven Manipulation von Menschen eingesetzt werden können, sind für die EU untragbar.
  • Gesichtserkennung: Die Fernidentifizierung mittels Gesichtserkennung (in China üblich) soll in der EU nicht zum Einsatz kommen.

Dabei legen die Regulierungsmaßnahmen den Hauptfokus auf KI-Systeme, die als Hochrisiko-KI eingestuft wurden. Dazu gehören jene Maschinen, die ein Sicherheits- und Gesundheitsrisiko darstellen oder Einfluss auf die Grundrechte nehmen. Es muss vor der Nutzung solcher Systeme eine Bewertung vorgenommen werden, um die Risiken für die Gesellschaft zu analysieren und gegebenenfalls zu intervenieren.

Und was ist mit ChatGPT? Die generative KI gilt als begrenzt riskant

ChatGPT sorgte in den Medien für Trubel, Suchmaschinen wie Google hissten die „rote Flagge“ für Gefahr. In Schulen wurde der Chatbot schnell zum Hilfsmittel, zur Erzeugung von Hausaufgaben oder zum Schreiben von Aufsätzen. Lehrer schlugen Alarm. Die EU stuft solche generativen KIs allerdings als begrenzt riskant ein und möchte die Vorschriften für die Nutzung vor allem auf Transparenz auslegen.

Das bedeutet, dass von KI generierte Inhalte klar gekennzeichnet sein müssen. Außerdem soll es durch Schutzmechanismen unmöglich sein, illegale Inhalte mithilfe des Chatbots zu generieren. Ein ganz besonders wichtiger Punkt ist zudem der Datenschutz. Es muss offengelegt werden, mit welchen Daten das System trainiert wird, um im Hinblick auf Urheberschutz Transparenz walten zu lassen.

Offizielle Gesetze für den Umgang mit KI gibt es aber noch nicht. Zunächst einmal wurde zwischen den Abgeordneten verhandelt. Jetzt erst beginnen die Diskussionen, die im Idealfall mit einer Einigung aller Mitgliedsstaaten enden. Bislang sieht die EU vor, spätestens Ende 2023 eine klare Richtlinie für den Umgang mit KI zu schaffen und diese dann auch gesetzlich auf den Weg zu bringen.

Fazit: Zwischen Angst und Hoffnung – ein Minenfeld für die EU

KI-Systeme machen Angst, sie schüren aber auch Hoffnung. Künstliche Intelligenzen werden Menschen Jobs kosten, denn der Mensch ist in vielen Bereichen ersetzbar. Gleichzeitig bringt die KI aber auch neue Berufe mit sich, denn die menschliche Regulierung ist Voraussetzung für die effiziente Nutzung.

Die EU steht vor einer großen Herausforderung bezüglich der Regulierungsmaßnahmen. Sie muss es schaffen, Gefahren von der Bevölkerung abzuwenden, ohne dabei Chancen durch eigene Schuld zu reduzieren. Auch in anderen Ländern und insbesondere in den USA ist die Regulierung ein wichtiges Thema. Um auf dem internationalen Spielfeld wettbewerbsfähig zu bleiben, darf die EU nicht in den Überregulierungswahn verfallen. Gleichzeitig muss sie sich aber auch davor schützen, einzelnen Unternehmen wie OpenAI zu große Macht einzuräumen. Ein spannendes Thema, das noch so manches Mal durch die Medien gehen wird.

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