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Einst waren Städte wie Temeswar (rumänisch: Timisoara) Hochburgen des Deutschtums.

4. Januar 2023 / 10:29 Uhr

Volkszählung: Deutsche in Siebenbürgen fast ausgelöscht

Am 2. Jänner wurden die Ergebnisse der jüngsten Volkszählung Rumäniens veröffentlicht. In elf Jahren, zwischen 2011 und 2022, hat sich die Anzahl der ethnischen Deutschen von 36.000 auf nur noch 23.000 reduziert. Vor rund 100 Jahren, als die Region zu Ungarn gehörte, betrug die Anzahl der Deutschen dort 800.000.

Deutsche fast verschwunden

Die Zahlen der jüngsten Volkszählung in Rumänien kann aus deutscher Sicht nicht mehr als alarmierend bezeichnet werden, denn alarmierend würde bedeuten, dass es noch irgendeine Hoffnung auf die Erhaltung des ethnischen Deutschtums in Rumänien gäbe. Wie die Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien berichtet, haben bei der Volkszählung, die bedingt durch Corona statt im Jahr 2021 erst 2022 durchgeführt wurde, sich gerade einmal 23.000 Menschen als Angehörige des deutschen Volkes bekannt. Bei der letzten Volkszählung 2011 waren es noch 36.000. Somit ist die Volksgruppe der Deutschen in Rumänien fast verschwunden und dem Untergang geweiht.

Früher Deutsche fester Bestandteil

Diese Entwicklung ist historisch betrachtet schier unvorstellbar, da vor kaum mehr als 100 Jahren auf demselben Gebiet rund 800.000 Deutsche lebten (laut letzter Volkszählung 1920). Damals gehörten die genannten Gebiete zum Königreich Ungarn. Unter weitreichenden Autonomierechten bauten die deutschen Volksstämme der Donauschwaben und Siebenbürger Sachsen insbesondere nach den Türkenkriegen das Gebiet wirtschaftlich wieder auf. Dies alles geschah, trotz Zugehörigkeit zum ungarischen Staat, weitgehend unter der Herrschaft eines „deutschen Fürsten“, da das Haus Habsburg in jener Zeit die ungarischen Könige stellte. Erst 1921 kamen nach dem Ersten Weltkrieg mit dem Friedensdiktat von Trianon die deutsch besiedelten Gebiete Sathmar, Banat und Siebenbürgen zu Rumänien. Nach 102 Jahren Zugehörigkeit zu Rumänien sind die Deutschen fast ausgelöscht.

Deutschland und Österreich mitschuldig

Wenn man nach Schuldigen für das Aussterben des Deutschtums sucht, kann man eine sehr lange Liste finden. Allem voran muss der rumänische Präsident Klaus Johannis in Verantwortung gezogen werden. Er ist ein deutschsprachig aufgewachsener Siebenbürger Sachse und gleichzeitig seit Jahren nicht nur symbolisches Staatsoberhaupt, sondern im rumänischen Präsidialsystem mächtigster Mann im Staat. Gleich hiernach müssen aber auch die Republik Österreich und die Bundesrepublik Deutschland als Hauptverantwortliche genannt werden, denn Deutschland nennt sich als staatliche Vertretung aller Deutschen und Österreich hat auch ohne ausführende Staatsmacht die historische Verantwortung sein Erbe in der Region zu wahren. Es gäbe mehr als genug politische Möglichkeiten dieser zwei reichen europäischen Staaten eine deutschenfördernde Minderheitenpolitik gegenüber dem verarmten Rumänien durchzusetzen.

Es geht auch anders

Wie man deutsche Minderheitenpolitik erfolgreich betreiben kann, zeigt einmal mehr Ungarn. Hier erlebt das Deutschtum eine Blüte, wie sie es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr erlebt hat. Vor allem im südungarischen Gebiet der „Schwäbischen Türkei“ floriert die deutschsprachige Gemeinschaft. Staatlich geförderte Kindergärten, bilinguale Schulen, deutsche Gottesdienste und unzählige deutschsprachige kulturelle Veranstaltungen bestimmen den Alltag. Durch die Form der offiziellen deutschen Selbstverwaltung gibt man jedem Ort die Möglichkeit, sein Deutschtum staatlich gefördert zu wahren. Mit Erfolg – bei der letzten Volkszählung 2011 bekannten in Ungarn sagenhafte 185.000 Menschen zur Deutschen Volksgruppe. Somit sind die Donauschwaben in Ungarn nach den Elsässern und Südtirolern die größte deutsche Minderheit in Europa.

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